Beim sogenannten Rückwärtsniesen – auch „reverse sneezing“ genannt – wirken Hunde oder Katzen plötzlich, als würden sie nach Luft ringen oder laut schnarchen. Für viele Halter klingt es zunächst bedrohlich, ist in den meisten Fällen aber harmlos. In diesem Beitrag erfährst du, was genau beim Rückwärtsniesen passiert, welche Auslöser typisch sind und wann ein Tierarztbesuch sinnvoll sein kann.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Symptome beim Rückwärtsniesen
Rückwärtsniesen ist ein auffälliges, meist plötzlich auftretendes Atemverhalten, das vor allem bei Hunden – seltener auch bei Katzen – beobachtet wird. Es wirkt für viele Tierhalter dramatisch, ist aber in den meisten Fällen ungefährlich. Dennoch ist es wichtig, die Symptome genau zu kennen, um Rückwärtsniesen von ernsthaften Atemwegserkrankungen unterscheiden zu können.
1. Geräuschvolles Einatmen („Schnorcheln“) – statt Niesen beim Ausatmen
Das auffälligste Symptom ist ein wiederholtes, lautes Einatmen – begleitet von röchelnden, schnorchelnden oder ziehenden Geräuschen. Es klingt, als würde das Tier Luft „einsaugen“, statt sie beim klassischen Niesen auszustoßen. Dieser umgekehrte Vorgang führt zur Bezeichnung „Rückwärtsniesen“.
2. Verkrampfte Körperhaltung während des Anfalls
Viele Tiere verharren während eines Rückwärtsniesens in einer angespannten Körperhaltung. Der Rücken ist oft leicht gekrümmt, die Vorderbeine durchgestreckt und der Hals gestreckt oder vorgestreckt. Manchmal beugen sie den Kopf leicht nach unten – ein Verhalten, das wie „Erstickungsangst“ wirken kann, aber in der Regel keine echte Atemnot bedeutet.
3. Wiederholte, pumpende Atemzüge in kurzer Folge
Die Tiere atmen stoßartig und wiederholt ein – oft in Serie. Dabei können die Atemzüge sehr intensiv klingen, fast wie eine panische Hyperventilation. Meist dauert ein solcher Anfall nur wenige Sekunden bis maximal eine Minute, klingt dann abrupt ab und das Tier verhält sich wieder völlig normal.
4. Keine Folgeerscheinungen nach dem Anfall
Typisch für Rückwärtsniesen ist, dass das Tier nach dem Anfall weder erschöpft noch auffällig krank wirkt. Es frisst, trinkt und spielt ganz normal weiter. Das spontane Ende des Anfalls ist ein weiteres typisches Merkmal, das Rückwärtsniesen von ernsthaften Erkrankungen wie einer kollabierenden Luftröhre oder Asthma unterscheidet.
5. Häufigkeit kann variieren
Einige Tiere erleben Rückwärtsniesen nur selten – etwa bei Aufregung, starkem Pollenflug oder nach dem Fressen. Bei anderen kommt es häufiger vor. Wichtig ist, auf Regelmäßigkeit und Muster zu achten. Tritt es mehrmals täglich oder unter bestimmten Bedingungen auf, sollte dies tierärztlich abgeklärt werden.
6. Reaktion auf Reize als möglicher Auslöser
Oft tritt Rückwärtsniesen in Situationen auf, in denen die oberen Atemwege gereizt werden – etwa durch Staub, Rauch, Pollen, Parfüm, starkes Ziehen an der Leine oder plötzliches Fressen. Die Symptome beginnen meist unmittelbar nach dem Reiz.
Video: Rückwärtsniesen beim Hund
Ist Reverse sneezing (englisch für Rückwärtsniesen) gefährlich?
Auf den ersten Blick kann ein Rückwärtsnies-Anfall für Tierhalter beängstigend wirken – besonders wenn das Tier laut schnaubt, heftig Luft einzieht und dabei eine verkrampfte Körperhaltung einnimmt. Doch in den meisten Fällen ist das sogenannte Reverse Sneezing ein harmloses Phänomen, das keine akute Gefahr für die Gesundheit des Tieres darstellt.
Genauer betrachtet handelt es sich beim Rückwärtsniesen nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom, das in der Regel durch eine vorübergehende Reizung des Nasen-Rachen-Raums ausgelöst wird. Der Anfall beginnt meist plötzlich, dauert nur wenige Sekunden – in manchen Fällen bis zu ein oder zwei Minuten – und endet genauso abrupt, wie er begonnen hat. Danach verhalten sich Hund oder Katze wieder vollkommen normal, zeigen keine Atemnot und benötigen in der Regel auch keine medizinische Hilfe.
Wichtig: Das Rückwärtsniesen selbst ist zwar meist ungefährlich, es kann aber in Einzelfällen ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Störung sein – etwa Allergien, Infektionen der Atemwege, Fremdkörper in der Nase oder eine überempfindliche Gaumenschleimhaut. Wenn die Anfälle regelmäßig oder in hoher Frequenz auftreten, sollte daher unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden, um mögliche Ursachen abzuklären.
Rassen, die häufig vom Rückwärtsniesen betroffen sind
Besonders anfällig für Rückwärtsniesen sind sogenannte brachycephale Rassen – also Hunderassen mit einem kurzen, flachen Schädel und einer deutlich verkürzten Schnauze. Diese spezielle Kopfform, die oft aus züchterischen Gründen gewollt ist, geht allerdings mit anatomischen Besonderheiten einher, die das Atmen erschweren können. Dazu zählt insbesondere ein verkürzter Nasen-Rachen-Raum, in dem es wenig Platz für Luftzirkulation gibt. In Kombination mit einem oft zu langen oder erschlafften Gaumensegel kann dies zu Reizungen der oberen Atemwege führen – und damit zu Rückwärtsniesen.
Am häufigsten betroffen sind folgende Hunderassen:
- Mops
- Französische und Englische Bulldogge
- Boxer
- Pekinese
- Cavalier King Charles Spaniel
- Boston Terrier
- Malteser
- Shih-Tzu
- Chihuahua
Diese Hunde zeichnen sich durch eine verkürzte Schnauze und häufig auch enge Nasenöffnungen aus. Die Luft muss bei ihnen oft einen längeren oder verwinkelteren Weg durch enge anatomische Strukturen nehmen, was zu erhöhtem Atemwiderstand führt. In manchen Fällen verlegt das Gaumensegel beim Einatmen teilweise den Luftkanal, was dann das typische, plötzlich einsetzende Rückwärtsniesen auslöst.
Doch auch wenn Rückwärtsniesen bei brachycephalen Rassen deutlich häufiger auftritt, ist es nicht ausschließlich auf diese Hunde beschränkt. Auch Hunde mit normaler Kopfform oder kleine, zierliche Hunderassen können betroffen sein – insbesondere dann, wenn sie sehr empfindlich auf Umweltreize wie Pollen, Staub oder Rauch reagieren.
Seltener, aber dennoch möglich, tritt Rückwärtsniesen auch bei Katzen auf. Hier ist das Phänomen weniger gut erforscht, wird aber vor allem in Zusammenhang mit allergischen Reaktionen, Atemwegsinfekten oder mechanischen Reizen wie Halmsamen oder Staub beobachtet.
Rückwärtsniesen ist besonders bei kurzköpfigen Rassen ein häufiges Erscheinungsbild – vor allem wegen ihrer engen, anatomisch bedingten Luftwege. Dennoch können auch andere Tiere betroffen sein, sodass Aufmerksamkeit, Beobachtung und gegebenenfalls tierärztliche Abklärung für alle Tierhalter wichtig sind – unabhängig von der Rasse.
Rückwärtsniesen: Die Diagnose
Die Diagnose von Rückwärtsniesen ist in der tierärztlichen Praxis oft eine Herausforderung – nicht, weil das Phänomen schwer zu erkennen wäre, sondern weil es meist nicht während der Untersuchung auftritt. Rückwärtsniesen ist ein spontanes und kurzzeitiges Ereignis, das sich in einer Praxisumgebung kaum bewusst auslösen lässt. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Tierhalter:in und Tierarzt besonders wichtig, um die Symptome genau zu erfassen und richtig einzuordnen.
Ein erster, wichtiger Schritt für eine fundierte Diagnose besteht darin, Beobachtungen systematisch zu dokumentieren. Halter sollten darauf achten, wann genau die Anfälle auftreten:
- Gibt es bestimmte Auslöser, wie Aufregung, körperliche Belastung, Fressen oder bestimmte Gerüche?
- Tritt das Rückwärtsniesen eher morgens, abends oder bei Wetterwechseln auf?
- Wie lange dauern die einzelnen Episoden?
- In welcher Frequenz treten sie auf – einmal pro Woche oder mehrmals täglich?
Diese Informationen helfen dem Tierarzt, ein mögliches Muster zu erkennen und Rückwärtsniesen von anderen Erkrankungen der Atemwege, des Herzens oder neurologischen Störungen abzugrenzen.
Ein weiterer, sehr hilfreicher Schritt ist das Anfertigen eines Videos. Dank Smartphone ist es heute einfach, eine Rückwärtsnies-Attacke zu filmen, wenn sie gerade passiert. Das ermöglicht dem Tierarzt, den typischen Bewegungsablauf, die Körperhaltung und die Geräuschkulisse objektiv einzuschätzen – auch wenn das Tier beim Praxisbesuch gerade symptomfrei ist.
Je nach Einschätzung kann der Tierarzt dann entscheiden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind – etwa zur Abklärung von Allergien, Fremdkörpern, Nasennebenhöhlenentzündungen oder vergrößerten Gaumenmandeln. In der Regel reicht jedoch bereits die sorgfältige Anamnese in Kombination mit einer guten Beobachtungsgabe des Tierhalters aus, um Rückwärtsniesen als das zu identifizieren, was es in den meisten Fällen ist: ein harmloses, wenn auch ungewohntes Atemphänomen.
Video: Rückwärtsniesen
Was tun gegen Rückwärtsniesen?
Wie bereits erwähnt, ist das Rückwärtsniesen mehr ein Symptom, deshalb muss man den Auslöser finden. Deshalb muss man während des Rückwärtsniesens normalerweise nicht eingreifen. Falls man es doch versuchen möchte, kann man in der akuten Phase dem Hund helfen in dem man:
- Mit zwei Fingern langsam in Kreisen den Kehlkopf masieren
- Die Nasenlöcher mit zwei Fingern kurz zuhalten
- Mit der flachen Hand dem Hund einige Male auf den Brustkorb klopfen
Sollten diese Maßnahmen nicht helfen oder sind noch weitere Symptome erkennbar (Nase läuft, stärkere Atemprobleme oder das Allgemeinbefinden der Katze oder des Hundes wird schlechter) sollte schnellstens ein Tierarzt aufgesucht werden.
Mögliche Ursachen vom Rückwärtsniesen bzw. Rückwärtshusten
In den meisten Fällen wird Rückwärtsniesen (reverse sneezing) vom falsch sitzenden Gaumensegel ausgelöst. Somit ist dies zwar ein unangenehmes Ereignis, aber kein größeres Problem. Doch es gibt auch Situationen oder Krankheiten, die ein Reverse Seneezing begünstigen:
- Fremdkörper im Rachenraum
- Polypen
- Tumore
- Entzündete Zahnwurzel(n)
- Nasenmilbenbefall des Tieres
- Geschwollene Schleichhäute im Mundbereich
- Entzündung im Rachenraum
- Herzerkrankungen
- Infektion der Atemwege
Diese Krankheiten lösen aber meistens noch weitere Symptome aus, so dass man, solange das Rückwärtsniesen alleine auftritt, erst einmal davon ausgehen kann, dass alles in Ordnung ist.

Sollte der Hund (oder die Katze) häufiger „rückwärts niesen“, kann man beim Tierarzt einmal abklären lassen, ob eines der obigen Probleme vorliegt. (#01)
Jedoch können es auch ganz andere Probleme sein, die den Hund (oder die Katze) zum „rückwärts husten“ bringen:
- Das Halsband sitzt zu eng, dadurch bekommt der Hund schlecht Luft.
- Die Belastung des Tieres war kurz vor dem Vorfall zu hoch.
- Das Tier leidet an einer Allergie z.B. gegen
- Pollen
- Haushaltsreiniger
- Parfüm
- Ect.
- Der Hund oder die Katze waren einen großen Temperaturanstieg oder –abfall ausgesetzt.
Fazit: Rückwärtsniesen – harmlos, aber aufmerksam beobachten
Rückwärtsniesen kann auf den ersten Blick beängstigend wirken – vor allem für Tierhalter, die es zum ersten Mal bei ihrem Hund oder ihrer Katze erleben. Die lauten, keuchenden Geräusche, das verkrampfte Verhalten und das angestrengte Einatmen lassen schnell den Eindruck entstehen, das Tier bekomme keine Luft oder erleide einen Anfall. Doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich um ein völlig ungefährliches Reflexverhalten der oberen Atemwege.
Meist wird der Anfall durch harmlose Reize wie Staub, Pollen, Rauch oder mechanischen Druck am Hals ausgelöst. Auch Aufregung, Fressen oder plötzliche Temperaturwechsel können eine Rolle spielen. Das Gute: Ein Rückwärtsnies-Anfall ist in der Regel kurz und selbstlimitierend – das heißt, er endet von allein und ohne Folgen. Schon wenige Sekunden später verhalten sich die Tiere wieder ganz normal, als wäre nichts gewesen.
Wichtig ist vor allem, ruhig zu bleiben und das Tier nicht zusätzlich zu verunsichern. In den meisten Fällen genügt es, den Anfall still zu beobachten oder durch sanftes Streicheln zu beruhigen. Erst wenn die Anfälle häufiger, intensiver oder auffälliger werden – zum Beispiel mit Würgereiz, Nasenausfluss oder Atemproblemen – sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Denn dann könnten andere Ursachen wie Infektionen, Allergien oder Fremdkörper in Frage kommen.
Rückwärtsniesen ist meist kein Grund zur Sorge, aber ein Anlass zur Achtsamkeit. Wer die typischen Merkmale kennt, kann richtig reagieren – und im Zweifel lieber einmal mehr tierärztlichen Rat einholen, um auf der sicheren Seite zu sein.
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